Weihnachten auf Österreichisch: kleiner Unterschied, große Wirkung

22.12.2025

Weihnachten ist oft der Moment, in dem sich zeigt, ob Ihr Deutsch wirklich natürlich klingt. Viele Ausdrücke sind grammatikalisch korrekt – werden in Österreich aber einfach nicht verwendet. Schauen wir uns typische weihnachtliche "Fallen" an. 

Adventkranz oder Adventskranz? 

Im Deutschen gibt es das sogenannte Fugen-S, das zwei Substantive verbindet. Während es in Deutschland beim Wort Advent fast immer verwendet wird, lässt die österreichische Norm dieses "s" bei vielen Zusammensetzungen weg. Ein kleiner Unterschied, aber gut hörbar. Die Verwendung des "s" ist in Österreich kein Fehler, identifiziert Sie jedoch sofort als jemanden, der mit Lehrbüchern aus Hannover gelernt hat. Deshalb wünscht man Kollegen besser: Schöne Adventzeit! 

  • 🇩🇪 Adventskranz, Adventszeit

  • 🇦🇹 Adventkranz, Adventzeit

Plätzchen vs. Kekse (nein, keine Synonyme)

Wenn Sie in Österreich von Plätzchen sprechen, versteht Sie jeder. Aber es klingt … fremd. Plätzchen ist ein typischer "Teutonismus", also ein Wort, das überwiegend in Deutschland gebraucht wird. Österreich gehört zu einem Sprachraum, in dem sich historisch der Ausdruck Keks für süßes Gebäck etabliert hat (mit gemeinsamer Herkunft mit dem englischen cake). Während Kekse in Deutschland eher industrielle Backwaren bezeichnen, meint man in Österreich damit auch feinste selbstgemachte Vanillekipferl. Im Alltag hört man zudem viele weitere Ausdrücke aus österreichischen Dialekten, zum Beispiel: Weihnachtskrapfen.

  • 🇩🇪 Weihnachtsplätzchen

  • 🇦🇹 Weihnachtskekse

Weihnachten × Feiertage

Österreich ist formal ein katholisches Land, im Alltag – besonders in Städten – dominiert jedoch eine säkulare Höflichkeit. Der Ausdruck Feiertage ist neutral, umfasst den gesamten Zeitraum vom 24. Dezember bis 1. Jänner und zwingt niemanden zu einem religiösen Bezug. Deshalb hört man statt Frohe Weihnachten oft Schöne Feiertage oder Schöne Weihnachtszeit!

Wünsche je nach Situation:

  • Arbeit / Kunden:
    Ich wünsche Ihnen erholsame Feiertage.

  • Kollegen:
    Schöne Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr!

  • Bekannte:
    Genieß die Feiertage!

Wiener understatement  weniger ist mehr

In Wien sind Weihnachtswünsche oft von Ruhe, leichter Distanz und weniger großen Emotionen geprägt – anders als in amerikanischen Filmen. Der Wunsch, "runterzukommen", spiegelt moderne Werte wie Ruhe und mentale Gesundheit wider – stärker als materielles Feiern.

Allzu "übertriebene" Wünsche können in Österreich schnell unaufrichtig wirken. Wünsche nach Ruhe und Gesundheit werden als tiefer und ehrlicher empfunden.

Informelle Wünsche (B1–C1)

  • Lass es dir über die Feiertage gut gehen.

  • Ich hoffe, du kannst ein bisschen runterkommen.

  • Schöne Feiertage – und bleib gesund.

Unauffällig. Und genau deshalb natürlich.

Kleines sprachliches Detail = großer Unterschied 

Sprache ist in Österreich ein starker Träger von Identität. Österreichisches Deutsch lebt von kleinen Verschiebungen im Vergleich zum bundesdeutschen Deutsch – es ist weicher, melodischer und oft etwas archaischer.

Gerade Weihnachten ist eine ideale Gelegenheit, darauf zu achten – und es direkt anzuwenden. Wer österreichische Ausdrücke verwendet, zeigt Respekt für die lokale Kultur. Es ist der schnellste Weg, Sympathie bei Nachbarn oder Kollegen zu gewinnen, weil sichtbar wird: Deutsch wird nicht nur benutzt, sondern auch wahrgenommen. 

Denn ein Wunsch, der natürlich klingt, hat weniger mit Wortschatz-Niveau zu tun als mit Sprachgefühl. 

Wo auch immer Sie diese Wünsche heuer verwenden:

Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Adventzeit und schöne Feiertage. 

Stella